Produktionsgeschichte Teil 2

wir befinden uns im letzten Quartal des Jahres 1956....

Obwohl die laufende Fertigung erst in den Anfängen stand, beschäftigte man sich in Ingolstadt bereits mit weiteren Karosserievarianten, Zusatzausstattungen, Sonderfahrzeugen, Fahrzeuge für die Gebirgstruppe, einem schwimmfähigen Fahrzeug, dem Einsatz des geforderten stärkeren 1 Liter-Motors, einem luftgekühlten Motor -------und natürlich auch mit dem Anschlussauftrag!

Bereits im Dezember 1956 wurden die ersten Fahrzeuge nach Österreich ausgeliefert, 1957 erfolgten die ersten Lieferungen sowohl an den Bundesgrenzschutz als auch an den „Katastrophenschutz“ und es kamen europäische Exportmärkte hinzu, der DKW wurde dann auch auf Übersee-Märkten wie Afrika und Mittel- und Südamerika angeboten, ja selbst bis Pakistan oder Thailand erfolgten die Exportverkäufe.

Hier die Auslieferung der ersten 75 Fahrzeuge vom Typ F 91/4 an den Bundesgrenzschutz im März 1957. Vom BGS wurden die Kennzeichen BG 20 - 1 bis BG 20-75 zugeteilt.

Alle Fahrzeuge waren im Einheitslack des BGS, RAL 6012 lackiert und hatten eine 24 V Bordelektrik. Gut zu erkennen die knöpfbaren Türen, Reifen mit M-Profil.

Die "Blaulichtanlage" sucht man zu diesem Zeitpunkt noch vergeblich.

Als nächstes Kontingent erhielt das Technische Hilfswerk (THW) im April 1957 die ersten 60 Fahrzeuge, die alle eine 12 Volt Bordelektrik hatten und in RAL 7008 lackiert waren.

Weitere Großaufträge erhielt der Hersteller von den Besatzungsmächten in Deutschland. So orderten sowohl die Streikräfte aus Frankreich als auch aus England den MUNGA.

Seit 1957 wurden Fahrzeuge den "Besatzern" verkauft, zunächst an die französischen Truppen in Baden, ab Ende 1957 auch an die engländischen Truppen im Großraum Hannover. Ab Ende 1958 hielt der MUNGA bei den Besatzungsmächten in Berlin Einzug. Im Oktober wurden die ersten MUNGAs nach Berlin zu den französischen Streitkräften überführt.

Der Bundesminister für Verteidigung vergab entsprechend der Vorgaben von Mai 1956 am 11.4. 1958 der Erprobungsstelle der Bundeswehr den Erprobungsauftrag für die Fahrzeuge DKW 0,25 t, Goliath 34 mit 2000 mm und 2100 mm Radstand und dem Porsche Geländewagen. Neben einer allgemeinen Funktionsprüfung, den Fahreigenschaften im Gelände und auf der Straße (leer + beladen), sollten Raumverhältnisse, Kraftstoff- und Ölverbrauchsmessungen durchgeführt und Aussagen zur Wartung und Instandsetzung gemacht werden.

Bereits nach 600 Km Stecke erlitt der Goliath mit kurzem Radstand einen Motorschaden, der erst nach einigen Wochen repariert war. Am 10.5. verunfallte der Wagen und war erst 3 Wochen später instand gesetzt. Keine guten Voraussetzungen für die Fa. Goliath.

Verteidigungsminister war zwischenzeitlich Franz Josef Strauss, der im Oktober 1956 Minister Blank abgelöst hatte. Er forcierte den Aufbau der Bundeswehr. Lag es da nicht auch nahe, das der Anschlussauftrag in Bayern blieb?

Im Oktober 1958 kam dann schließlich der ersehnte Folgeauftrag in der 0,25 Tonnen – Klasse -- für die Auto Union GmbH, der Borgward – trotz des dort mittlerweile eingesetzten Viertakters - und Porsche endgültig aus dem Rennen warf.
Aus dem Abschlussbericht ergaben sich nochmals wieder Vorteile für den DKW, u.a. sein technisch einfacher, robust- und verschleißarmer Motor sowie die vielen Teile aus der laufenden Serienfertigung und die teilweise identischen Bauteile. Auch der Benzinverbrauch wurde als geringfügig besser gegenüber den Konkurrenzfahrzeugen eingeschätzt.

Wir schreiben immer noch das Jahr 1958: - weiteres Zubehör wurde nun bei der Erprobungsstelle der Bundeswehr getestet, sei es eine Gepäckbrücke, die Anhängekupplung der Fa. Rockinger oder gar neue Fahrzeuge, wie der Typ „6“, der Militärseelsorgerwagen, Abwurfvorrichtungen, der 1000er Motor, Reifen der Dimension 7.00 x 16, Anhänger für die 0,25 t Klasse, Fahrschulwagen (Doppelpedalanlage), Rüstsätze für Verletztentransport, Einspritzanlagen oder Funkanlagen und Waffenträgerausführungen. Die Palette ist unendlich in den weiteren Jahren. Selbst 1967 wurden noch neue Ausstattungsvarianten geprüft!


Bis 1958 wurden 7811 Fahrzeuge mit 900 ccm Motor vom Typ 4 gebaut. Rund 1420 Fahrzeuge wurden weltweit exportiert, knapp 180 fanden in Deutschland einen „privaten Käufer “, rund 5370 Fahrzeuge kaufte die Bundeswehr von diesem Typ mit 900er ccm Motor.

Anfänglich gab es unseren permanenten Allradler nur als 4-sitzigen offenen Kübelwagen mit Leinenplanenverdeck.

1958 kam als zweite Karosserieversion die Pritschenausführung (F 91/6) mit Heckklappe hinzu.

© MUNGA IG , Nachdruck und Verwendung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers (Ullrich Märker) erlaubt.

Stand Juni 2004, letztes update Dezember 2008